„Nur wer die Vergangenheit kennt,

kann die Gegenwart verstehen

und die Zukunft gestalten.“ (August Bebel)

Dass es eine Sprache gibt, die von der Antike über das Mittelalter bis in die Neuzeit überliefert wurde, ist eine große Besonderheit, die wir mit dem Lateinunterricht am Luitpold-Gymnasium würdigen. Wir begeben uns jede Schulstunde auf eine faszinierende Zeitreise über mehr als 2000 Jahre in die Vergangenheit zu den „alten Römern“ – zu einem Volk, das seinen Ursprung in Italien hatte und sich über die Jahrhunderte im Mittelmeerraum und weit darüber hinaus ausbreitete. Und genau um diese alte Kultur dreht sich vieles und alles, wenn man Latein lernt, die Sprache der Römer. Zwar wird sie heute nicht mehr aktiv gesprochen, wird aber bis heute rund um den Globus gelernt, gelehrt und wissenschaftlich erforscht.

Unser Ziel: „echte“ Römer in der 9. bis 11. Klasse!

Wenn wir wissen möchten, wie die Römer gelebt und gedacht haben, dann lesen wir am besten ihre Texte in ihrer Sprache. Uns sind aus der Antike viele lateinische Texte erhalten, die ganz verschiedene Themen behandeln. Aus ihnen erfahren wir etwas darüber, wie man wohnte, baute, feierte, speiste, sich kleidete, Politik machte, philosophierte, welche Geschichten und Mythen man erzählte, an welche Götter man glaubte und vieles mehr. Ab der 9. Klasse lesen wir in der Lektürephase diese Texte von berühmten Autoren wie Caesar, Cicero, Ovid, Catull, Nepos. Dafür brauchen wir aber natürlich „Handwerkszeug“, also Vokabeln und Grammatik, die wir erst erlernen müssen.

Der Weg zum Ziel: die Lehrbuchphase (6. bis 8. Klasse)

Dieses „Handwerkszeug“ erwerben wir in der 6. bis 8. Jahrgangsstufe. Mit unserem Lateinbuch „Agite plus“, zu dem es verschiedene Übungsmaterialien gibt, erarbeiten wir uns das wichtigste Grundwissen:

  • Wortschatz: pro Stunde werden etwa 6 bis 8 Vokabeln aufgegeben; im Laufe der 3 Jahre der Lehrbuchphase kommen wir auf ca. 1200 Wörter. Weil die Römer ein eroberungswütiges Volk waren und sich im ganzen Mittelmeerraum und darüber hinaus ausbreiteten, trugen sie auch ihr Latein in die Regionen. Aus vielen lateinischen Wörtern haben sich die Wörter der modernen Fremdsprachen entwickelt, die zur Familie der romanischen (Romanus = der Römer!) Sprachen gehören. Zu diesen ca. 15 modernen Fremdsprachen gehören als sprecherreichste Sprachen Italienisch, Französisch, Spanisch, Rumänisch etc. (s. Wortbeispiel in der Karte). Wer also seine lateinischen Vokabeln gut beherrscht, lernt diese modernen Fremdsprachen leichter, weil sie sich vom Lateinischen ableiten lassen. Natürlich wirkt das Lernen mehrerer verwandter Sprachen auch anders herum. Wer eine der modernen romanischen Sprachen lernt oder muttersprachlich beherrscht, kann viele Lateinvokabeln hiervon ableiten. Das gilt auch für das Englische, das sehr stark vom Lateinischen beeinflusst ist. Ca. 60% des englischen Wortschatzes können auf das Lateinische zurückgeführt werden. Und schließlich finden sich auch im Deutschen, das nicht zu den romanischen Sprachen zählt, durch Lehnwörter und Fremdwörter viele Bezüge zum Lateinischen.
  • Grammatik: Aus den gelernten Wörtern entstehen im Lateinischen Sätze, wenn man die Nomen in die verschiedenen Fälle setzt und die Verben konjugiert. Das funktioniert im Lateinischen genau wie im Deutschen dadurch, dass man nach ganz festen Regeln die Endungen der Wörter verändert. Und diese Regeln pauken wir schrittweise und gut verteilt über die ersten drei Jahre.
  • Übersetzungstechnik: im Unterricht wird grundsätzlich vom Lateinischen in das Deutsche übersetzt und nicht umgekehrt. Das heißt, dass man die Sprache Latein im Unterricht nicht aktiv anwenden und nicht auf Latein schreiben oder lateinisch sprechen muss. Das ist wohl der größte Unterschied zu den modernen Fremdsprachen. Das liegt daran, dass unser großes Ziel v.a. die Übersetzung der antiken Originale ab der 9. Klasse ist (s.o.). Beim Übersetzen eines lateinischen Satzes hält man bestimmte Arbeitsschritte ein, man „fragt den Satz ab“. Mit einer guten Übersetzungstechnik kann man sich jeden lateinischen Satz erschließen. Das Übersetzen in Latein ist eine entschleunigte Arbeit. Wir lassen uns für jeden Satz Zeit, das schärft den Blick für Details der fremden, aber auch der eigenen Sprache.
  • Kultur: In unserem Lehrbuch „Agite plus“ beschäftigt sich jedes Kapitel nicht nur mit einer neuen Grammatik und neuen Vokabeln, sondern auch mit einem kulturellen Thema. Wir lernen den Alltag im alten Rom kennen, fragen uns, was bei einem Wagenrennen passiert und vergleichen mit unserer heutigen Formel 1. Wir erfahren, wie man wohnte, wie man sich seinem Stand gemäß kleidete, wie man reiste oder einen Brief schrieb und wie dieser ohne Flugzeug und Postauto doch bei seinem Empfänger ankam und so weiter. Wir tauchen jede Stunde in die antike Zeit ein, erschließen uns wie bei einem Puzzle Stück für Stück die damalige Welt in ihren vielen, spannenden Themen. Und meist kommen wir zur verblüffenden Erkenntnis, dass die Menschen vor Jahrtausenden dieselben Bedürfnisse und gute Ideen hatten und es vieles auch früher schon gab, nur etwas anders. Dieses Bewusstsein für Geschichte zu schaffen und dafür, dass gesellschaftliche Phänomene, auch politische Systeme und Denkweisen seit jeher existieren, sich wiederholen und durchaus gewissen, erklärbaren Prinzipien folgen, das ist ein Verdienst des Lateinunterrichts, der damit einen ganz lebenspraktischen, allgemeinbildenden Wert für jeden Heranwachsenden hat.

Zusätzlich zu den Informationen aus Texten der Zeitzeugen helfen die vielen archäologischen Funde und Stätten, die in den römisch beeinflussten Gebieten im Mittelmeerraum bis heute ausgegraben werden. Wir klären, wie man Funde aus dem Boden holt, auswertet und schützt und was sie über das antike Leben verraten. Dank moderner Techniken und Möglichkeiten der Chemie, Physik, Biologie etc. kommen die Archäologen heute zu erstaunlichen und spektakulären Erkenntnissen über die damalige Zeit.

 

Praktische Seiten des Faches Latein

Und weil wir in Bayern phasenweise ebenfalls erobert und ein Teil des römischen „Rätien“ waren, befinden sich berühmte Funde praktischerweise so nah vor unserer Haustür, dass sich in den verschiedenenen Jahrgangsstufen interessante Exkursionen anbieten:

  • Besuche in den archäologischen Werkstätten gegenüber der Schule
  • Führungen und Workshops in Münchner Museen (Glyptothek, Staatliche Antikensammlung, Staatliches Museum Ägyptischer Kunst usw.)
  • Eine Limes-Tour nach Weißenburg und Umgebung
  • Rudern auf einem rekonstruierten Patrouillenboot bei Regensburg

 

Die Qual der Wahl: Latein ab der 6. Klasse?

Alle Argumente auf einen Blick

 

Herausforderungen

  • Arbeits- und stoffintensive Lehrbuchphase in den Jahrgangsstufen 6 bis 8
  • Hohes Maß an Lerndisziplin: Gerade in Klassen 6 bis 8 konsequentes Mitlernen und auch selbstständiges Wiederholen von Vokabeln und Grammatik erforderlich

Chancen

  • Entschleunigtes Lerntempo ab der 9. Jahrgangsstufe nach der Lehrbuchphase; hier v.a. Wiederholung des erworbenen Grundwissens anhand der Autorenlektüre = ingesamt begrenzte Stofffülle im Fach Latein
  • Spannende, motivierende Reise in eine frühere Zeit zu einer vergangenen Kultur
  • Erwerb von Allgemeinbildung
  • Einblick in den Ursprung der romanischen Sprachen als Hilfe beim Erlernen dieser Sprachen (v.a. Vokabular)
  • Intensive Beschäftigung mit der lateinischen Grammatik = Training und Reflexion der eigenen deutschen Sprache
  • Feste sprachliche Regeln, Systematik und Ordnung der Sprache = Sicherheit beim Lernen
  • Die Aussprache entspricht der Schreibung eines Wortes
  • Kein aktiver Sprachgebrauch im Unterricht oder in Prüfungen (Ausnahme: eine kurze Lernphase in der 6. Klasse)
  • Sogenannte „Gesicherte Lateinkenntnisse“ nach der 9. Klasse und „Latinum“ nach der 10. Klasse (jeweils bei Note 1 bis 4 im Jahreszeugnis)

Fachschaft im Schuljahr 2018/2019

OStRin Dagmar Adrom (Fachbetreuung)

StR Philipp Deisenrieder (L/E)

StRin Katharina Erk (L/F)

StRin Katharina Gröber (L/F)

OStR Dr. Jörg Reimann (L/G)

StD Hans Rieger (L/I)