Vortrag zur aktuellen Geldpolitik der EZB

VonDavid Spiesser

Vortrag zur aktuellen Geldpolitik der EZB

Im Rahmen des Unterrichtsfaches Wirtschaft und Recht der 12 Jahrgangsstufe, besuchte Frau Charlotte Schnitzler von der Deutschen Bundesbank am Montag 04.11.19 das LPG, um den Schülerinnen und Schülern einen Einblick in die europäische Geldpolitik zu gewähren.

Der erste Teil ihres Vortrages informierte über die Aufgaben der Europäischen Zentral Bank (EZB) in der europäischen Geldpolitik. Das oberste Ziel der EZB ist es, die Preis­niveaustabilität im Euro-Raum sicher zu stellen. Das bedeutet grundsätzlich sowohl eine Inflation als auch eine Deflation zu verhindern. Die Preisniveaustabilität wird durch einen Warenkorb, den Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI), ermittelt. In der Satzung der EZB ist festgelegt, dass der europäische HVPI einen Anstieg von unter, aber nahe 2% gegenüber dem Vorjahr haben sollte. Dies bedeutet, dass eine geringe Inflation gewollt ist. Zudem dient diese „gewollte Inflation“ als Schutzzone vor der Deflation, die benötigt wird, da eine Inflation kleinere Gefahren birgt als eine Deflation. Japan befindet sich beispielsweise seit Jahrzenten in einer schwer umkehrbaren Deflation. Inflationäre Tendenzen sind leichter einzudämmen.

Der zweite Teil behandelte die Maßnahmen, die die EZB ergriff, um die Auswirkungen der Finanzkrise ab 2008 in Europa zu bewältigen. Zum einen wechselte die EZB von einem Zinstenderverfahren zu einem Mengentenderverfahren mit Vollzuteilung, damit die Banken alle ihre benötigten Kredite erhalten können. Dies wurde von einer Laufzeitverlängerung des Tenders von 1 auf 2 Wochen begleitet. Zum anderen senkte die EZB den Leitzins von 4,25% auf 0% um den Banken so billig wie möglich Liquidität zur Verfügung zu stellen. Damit eine Bank einen solchen Kredit aufnehmen kann, muss sie bei der EZB Sicherheiten in Form von Wertpapieren hinterlegen. Vor der Finanzkrise waren nur AAA bewertete Anleihen zugelassen. Da jedoch nur eine begrenzte Anzahl solcher Anleihen auf dem Markt vorhanden ist und die Anzahl an vergebenen Krediten maximiert werden soll, wurden die Rating-Anforderungen auf BBB- gesenkt. Als letzte Maßnahme startete die EZB ein Ankaufsprogramm für Staatsanleihen. Dieses umstrittene „Quantitative Easing“ Programm erlaubt der EZB Staatsanleihen vom Sekundärmarkt zu erwerben und kann somit, als verdeckte Staatsfinanzierung angesehen werden. Aufgrund dieses Verfahrens wurde die EZB mehrmals verklagt. Der EUGH entschied, dass das Verfahren als nicht rechtswidrig gilt, da die Anleihen am Sekundärmarkt erworben werden und der Erwerb nur als Zweck zur Erfüllung der Preisniveaustabilität dient.

Frau Schnitzler stellte alle Maßnahmen differenziert dar und arbeitete auch negative Folgen heraus. Eine dieser ist die ‚Flutung‘ der Kreditmärkte mit billigem Geld. Hierdurch können Banken den Darlehensnehmern unter anderem Immobilienkredite sehr günstig anbieten, was wiederum einen preissteigernden Effekt auf z.B. den Münchener Immobilienmarkt hat.

Charlotte Schnitzlers Vortrag bot den Schülerinnen und Schülern interessante Einblicke in die aktuelle Geldpolitik der EZB und wir bedanken uns an dieser Stelle herzlich im Namen beider Wirtschaftskurse der Q12 für die informative Präsentation.

Alexander Schwab & Benedikt Soemer

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David Spiesser administrator